Meggy Jr – ein Interview

Ich habe bereits über den Meggy Jr berichtet – jetzt sind allerdings die ersten Bestellungen ausgeliefert und zusammengebaut. Daher habe ich mir bastard aus dem GP2X.de-Forum geschnappt und ein kleines Interview mit ihm geführt.

Der Meggy Jr. ist der erste Handheld, den man selbst zusammenbauen muss. Wie schwer ist das? Und wie würdest du die Chancen für einen Neuling einschätzen?

Derjenige, der noch nie etwas gelötet hat, sollte nicht mit dem Meggy beginnen. Für erste Lötungen eignen sich zwar die Widerstände sehr gut, allzuviele sind es aber auch wieder nicht, so dass man nach wenigen Bauteilen bereits die Technik drauf haben muss. Kritisch sind die drei ICs, die ohne Sockel eingelötet werden. Zwei der ICs befinden sich unter dem LED-Modul – da könnte man mittels längeren Stiftleisten mit Sockeln arbeiten. Die obere Acrylplatte liegt aber auf dem
Mikrokontroller auf. Da passt ein Sockel nicht.

Andererseits gibt es ein ähnliches Projekt [1], welches mit Kindern ab 10 Jahren durchgeführt wurde [2], [3] und auch am 25C3 [4] statt findet. Unter fachkundiger Anleitung sind die Kiddies in kurzer Zeit in der Lage ihre Spielkonsole zusammenzulöten.

Ich bin überzeugt, wer nicht grad zwei linke Hände hat und den Lötkolben nicht dauernd am falschen Ende anfasst, schafft das.

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Erzähl uns von den Spielen: Was gibt es, was macht besonders Spaß und was ist auf dem ungewöhnlichen Display überhaupt möglich?

Der Entwickler des Meggy liefert mit seiner Bibliothek 2 Spiele und eine
Handvoll Demos mit. Vorinstalliert ist das Spiel „Attack of the Cherry
Tomatoes“. Das ist von Vorteil, weil man damit gleich nach dem Zusammenbau die Funktion überprüfen kann.

Es geht dabei darum, mit seinem „Fighter“ die Armee der Kirschtomaten
abzuschießen. Ein klassisches „Shoot-em-up“ also. Macht echt fun und über Level 3 bin ich noch nicht hinausgekommen …

Das zweite Spiel heißt „Froggy jr.“ und ist, na was wohl? Ein Frogger-Clone. Mit ner Straße und einem Fluß. Und es ist ziemlich schwierig zu spielen.

Die Demos behandeln Teile der Hardware, wie man Tasten abfrägt, Töne erzeugt, Pixel setzt und abfrägt. Programme zum „Zeichnen“ und „Farbe Einstellen“ runden das Angebot ab.

Jedes der 64 Pixel lässt sich individuell in 16*16*16=4096 Farbwerten
einschalten. Es gibt 16 vordefinierte Farbwerte und weitere 16 können
individuell belegt werden.

Wie kommen die Spiele überhaupt auf das Gerät? Einen Modulslot hat es ja nicht.

Der Mikrokontroller vom Typ Atmel Atmega164 besitzt im Lieferzustand einen Bootloader, der es sehr einfach macht, via USB-Seriell-Kabel und der Arduino-Entwicklerumgebung das Programm in den Flash-Speicher zu schreiben.

Man sollte deshalb unbedingt das FTDI-Kabel mitbestellen.

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Gibt es irgendwo in den Weiten des Internets schon eine Community, die sich stark mit dem Meggy auseinandersetzt oder steht man recht alleine da?

Meggy ist jetzt knapp 3 Wochen „auf dem Markt“. Das Forum des Entwicklers [5] ist noch ziemlich leer. Was den Rest betrifft – also allgemeines zur Arduino-Umgebung – da gibt es genügend Ressourcen im Internet. Allerdings nicht unbedingt mit dem Schwerpunkt der Spieleprogrammierung.

Ich könnte mir vorstellen, dass auch diejenigen die nicht Programmieren können oder wollen, etwas beitragen. Ein Storyboard für ein Spiel zu entwerfen verlangt moderate künstlerische Fähigkeiten, etwas Papier und Buntstifte. Da können selbst die Kleinsten Beiträge liefern.

Ich selbst würde mich sehr freuen, wenn mir jemand ein Storyboard zu einem PacMan- oder Breakout-Clone liefern würde.

Auch was das Komponieren von Melodien betrifft bin ich absolut angwewiesen auf Input. Es braucht dazu auch keine Software – die Tonfolge und die Länge der einzelnen Töne genügen zur Programmierung.

Hast du schon versucht, etwas auf dem Gerät zu programmieren?

Nein, noch nicht. Allerdings habe ich früher(tm) auf dem Sinclair ZX81 schon einfache Spiele in Basic geschrieben. Es dürfte nicht allzuschwer werden, ein Top-Down oder Side-Scroll zu fabrizieren. Mal sehen ob ich während dem Betriebsurlaub dazu komme, Asteroiden auszuweichen und/oder Bösewichter abzuschießen …

Dein Fazit: Ist der Meggy nur ein nettes Spielzeug oder ein ernstzunehmender Handheld?

Meggy ist für mich die Einstiegsdroge für die Programmierung von
Mikrokontrollern. Dass man das mittels der Programmierung von Spielen erreicht ist besonders genial. Ich kenne mich mit anderen Handhelds nicht aus – so kann ich die Konkurrenz nicht beurteilen.

Aber: Je fähiger eine Hardware ist, desto höher ist der Aufwand den man treiben muß um einen Erfolg zu erleben. Da ist es am Anfang sicher einfacher, wenn man eine einfache Hardware hat, sich blos um 6 Tasten und 64 Pixel kümmern muß, als gleich einen x-stimmigen Synthesizer-Chip zu „erlernen“ und mit Sprites zu arbeiten.

Vielen Dank für das Interview!

Empfehlenswert ist auch der Thread bei GP2X.de, in dem es weitere Informationen gibt.
[1] http://www.mignongamekit.org/
[2] http://www.mignongamekit.org/2008/11/next-20-workshops-in-basel-and-zrich.html
[3] http://www.mignongamekit.org/2008/08/erster-game-kit-20-workshop-first.html
[4] http://events.ccc.de/congress/2008/wiki/Game_Kit_Workshop
[5] http://www.evilmadscientist.com/forum/index.php?forum=14

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